Ein Bild Ein Tag 20140108 – Galette des rois

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 Während man sich den Mandelgeschmack der Galette auf der Zunge zergehen lässt – man muss ja langsam und vorsichtig essen, weil die fève in jedem Bissen stecken kann – erinnert sich mancher an den Ursprung dieser Tradition. Im Römischen Reich wurde zur Feier der Saturnalien eine Bohne in einem Kuchen versteckt. Alle zur Familie Zugehörigen, also auch die Sklaven, durften mitessen. Der, der die Bohne in seinem Kuchenstück fand, durfte

„König für einen Tag“

sein. Wurde also eine Sklave als solcher gezogen, durfte er für einen Tag die Dinge bestimmen. Was für eine Freude diese Gelegenheit für denjenigen gewesen sein muss! Oder vielleicht auch nicht… Wie ist es, sein Leben lang Befehle entgegen zu nehmen und diese ohne Widerrede zu befolgen? Fügt sich der menschliche Geist in solch einer Situation nicht unweigerlich irgendwann in sein Schicksal und stellt seine Bedürfnisse automatisch hintenan? Würde er es nicht tun, wäre das Leben als Sklave sicherlich noch anstrengender, als es ohnehin gewesen sein muss. Vielleicht wusste der König für einen Tag mit seiner zeitlich begrenzten Freiheit gar nichts anzufangen.

Dank vieler Generationen von Vorfahren, ihrer Erfahrungen, Fehler und Leistungen, leben wir heute in Freiheit. Die Freiheit ist unser Grundrecht. Wir erachten sie als selbstverständlich und essen Mandelkuchen und freuen uns, wenn wir eine goldene Pappkrone aufsetzen dürfen. Manchmal braucht man also eine Pappkrone um sich daran zu erinnern, wie schön es ist, über sich und sein Leben bestimmen zu können. Wir können uns überlegen, mit welchen Menschen, die wir mögen, wir die Zeit des fröhlichen Galette-Essens und auch des restlichen Lebens verbringen wollen. Wenn uns jemand sagt, was wir tun sollen, dürfen wir es hinterfragen und selbst entscheiden, ob wir dieser Weisung folgen wollen. Im Zweifel können wir jederzeit unserer eigenen Wege gehen.

Aufgewachsen in einer Generation der unzähligen Möglichkeiten, fühlen wir uns manchmal von unserer Freiheit unter Druck gesetzt. So viele Entscheidungen sind selbst zu treffen und so viele Möglichkeiten auszuleben. Sollte man sich mit dem begnügen, was man hat, oder doch noch etwas ganz anderes machen? Alles wird hinterfragt und in Frage gestellt. Man trägt für alles die Verantwortung und steht in ständigem Vergleich zu anderen. Ist man also die Freiheit gewöhnt, kann sie sich auch manchmal wie Druck anfühlen.

Letztendlich ist die Freiheit allerdings doch immer ein großes Geschenk. Sie ist immer nur ein Angebot und nie eine Pflicht.

Also rücken wir alle unser unsichtbares Pappkrönchen wieder einmal zurecht und freuen uns über unsere Freiheit des Alltags.