Ein Bild Ein Tag 20140207

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Ein Bild von René Magritte. Der Surrealist plötzlich in meiner Realität. Die liebe Fliege bringt ihn mir vor meine Nase.
„Ceci n´est pas une pomme“ steht im Bild. Das ist kein Apfel. Ich bin verdutzt. Aber das Bild darunter sieht doch aus wie ein Apfel.

Wenn René mich dazu bringen wollte, über meine Erfahrungen und Erwartungshaltungen nachzudenken, hat er es geschafft. Der so realistisch dargestellte Apfel ist nur ein Abbild seines realen Zwillings. Für uns macht es keinen großen Unterschied, aber für jemanden, der richtig hungrig und durstig ist, macht es eben doch etwas aus, ob er in einen saftigen Apfel beißen kann, oder nur ein morphologisch korrektes Bild davon in Händen hält. René wollte die Wirklichkeit verdeutlichen.
Um es unserem Gehirn leichter zu machen, vereinfachen wir die Dinge ständig. Damit lässt es sich besser in der reizüberfluteten Welt leben. Aber durch die Vereinfachung sehen wir ständig das, was wir erwarten zu sehen.
Kürzlich hat der einzige Kriminalbiologe Deutschlands gesagt, dass es in seinem Beruf wichtig ist, alles stets so klar und unbedarft zu sehen wie ein Kind. Das ist zwar anstrengend und kostet Zeit, die einem umsonst erscheint, aber tut man es nicht, entgehen einem kleine, aber wesentliche Aspekte. Bei einem Ermittler können sie über Gerechtigkeit, Gefängnisstrafe oder Freiheit entscheiden. Beim Normalo über ein saftiges Stück Obst, das er bekommt oder eben nicht.
René Magritte wollte mit seinen Werken dem Alltag und dem Vertrauten etwas Unerwartetes geben.
Er lebte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und konnte keine Idee davon haben, wie 2014 die Menschen mit gesenkten Köpfen, kurzsichtig durch die Welt laufen: mit ihren Gedanken in ein kleines Gerät versunken, das sich smart nennt und für uns mitzudenken scheint, wenn wir nicht mehr mit der Welt zurecht kommen. Tatsächlich überflutet es uns aber mit noch mehr Information, als unser Gehirn ohnehin schon von früh bis spät zu verarbeiten hat. Die Folge: Wir vereinfachen die Dinge noch mehr und versuchen immer weiter das Wesentliche zu erfassen. Dabei kann man schon einmal den Blick für die unerwarteten aber interessanten Details im Leben verlieren.
René erinnert mich daran, was real ist. Und, dass auch im Alltag ständig Unerwartetes auf uns wartet! Man muss nur die Augen öffnen für die Realität, die Menschen, denen man auf der Straße begegnet.

„Überrasch mich, Leben“ rufen wir ungeduldig dem Leben zu. „Überrasch dich selbst“ raunzt das Leben und beißt in einen knackigen und sehr saftigen Apfel.


Diese Lied wurde übrigens für unseren Apfelliebhaber geschrieben und klingt auch sehr schön:
Paul Simon – Rene and Georgette Magritte With Their Dog After the War
Und die Fliege in der Geschichte: galinskiundfeddern