Ein Bild Ein Tag 20140511 – Friedhof Neroberg Wiesbaden

Der russische Friedhof in Wiesbaden – oder der Mensch bringt seine höchsten Leistungen unter (Drogen- oder und besonders) Liebeseinfluss
Während aktuell die russisch-europäischen Beziehungen vor sich hin dümpeln, befand man sich vor 300 Jahren in reger Annäherung: Im 18. Jahrhundert begann man fröhlich zwischen Russland und dem Deutschen Reich zu heiraten. Bevor es unsere heutigen Schüler- und Studentenaustauschprogramme gab, stifteten also früher die Adligen Anlass die Landesgrenzen zu überschreiten. Wichtige, schlaue und rege Menschen besuchten die Nachbarn und durch eine Hochzeit mit einer hessisch-homburgischen Blaublüterin kamen schließlich auch viele Russen nach Wiesbaden.
Im 19. Jahrhundert heiratete ein nassauischer Herzog namens Adolph die Nichte des russischen Zaren Elisabeth (wir können uns einfach einmal eine Hochzeit wie bei William und Kate vorstellen). Sie waren ein Traumpaar und zogen in das Biebricher Schloss, wo sie hätten in wundervoller Umgebung alt werden können, wenn Elisabeth nicht bei der Geburt ihres ersten Kindes hätte sterben müssen. Der Herzog verging vor Liebeskummer und Trauer. Die Mitgift seiner Frau wollte er nicht anrühren und plante stattdessen mit dem Geld eine Grabkapelle für sie und sein totes Kind zu bauen. Die Liebe sieht man dem Bauwerk heute noch an. Selbst wenn der Himmel noch so grau über der Stadt hängt, strahlt von ihrem Hausberg das Gold der filigranen Zwiebeltürme mit einem zeitlosen Glitzern auf die Menschen herab.
Die Kirche bekam viel russisch-orthodoxen Zulauf und so schloss man einen Friedhof an die Kirche an. Er blieb lange Zeit der einzige in Deutschland und beherbergt noch heute Hochadel, Militär, Diplomaten, Wissenschaftler und Künstler, da Orthodoxe ihre Gräber nicht auflösen.
Die Inschrift auf einem Grabstein des Friedhofs lautet „Die Liebe höret nimmer auf“.
Sowohl Kirche als auch Gottesacker sind stolze Zeugen dafür. Die Liebe vollbringt große Bauwerke und Wunder, die keine Zeit und Alterung kennen.
Und weil ich während der Führung nicht immer ganz aufgepasst habe (so viele Dinge zu entdecken): hier Quellen zum Nachlesen:
Die FAZ schwelgte auch in Erinnerungen an alte Adelsgeschichten.
Wer mit wem früher in Wiesbaden noch detaillierter als in der Gala.