Eine Runde um das Kloster Roggenburg

Meine Mutter kommt aus einem Vorort von Paris. Die Ferien haben wir daher in meiner Kindheit häufig in Paris verbracht. Und meine Eltern haben sich alle Mühe gegeben die Zeit in der Stadt bunt und phantasievoll zu gestalten. Ich liebe Paris. Sehr sogar. Das sagt jetzt allerdings mein erwachsenes Ich. Und gilt so gar nicht für das Kind in mir.

Die 10jährige Céline fuhr gar nicht gerne in die „Stadt der Liebe“. Anstatt dort wie daheim gewohnt vor der Türe Freunde und Spielplätze zu finden, brodelte hier der Verkehr und die nächste Tischtennisplatte war 10 Minuten mit dem Rad entfernt. Mit dem Fahrrad! Allein das eine irrwitzige Idee meines Vaters, der unbeirrt der Tatsache, dass Paris die Möglichkeit des Radfahrens bis vor wenigen Jahren zu leugnen schien, mit mir die halbe Stadt mit dem Fahrrad anstatt mit der Métro besuchte (Fahren auf der Straße war lebensmüde und abgesenkte Bordsteine gab es so gut wie keine – Papa, ich bewundere Dich wirklich für Deine unerschütterlichen Überzeugungen). So fuhren wir auch immer mal wieder zum Eiffelturm. Natürlich.

Meine Mutter hingegen sagte immer, dass sie nie auf den Eiffelturm gestiegen sei. Pariser würden das nicht tun. Also auch nicht mit dem Lift hochfahren. Kennst Du das? Dass man die Sehenswürdigkeit vor der Nase nicht besucht? „das kann ich ja jederzeit tun“, sagt man und nimmt lieber den Flieger nach Sri Lanka und besucht dort ein Teemuseum.

Das Kloster Roggenburg mit dem Eiffelturm zu vergleichen ist in etwa so wie die Parallele der Champs Elysées mit der Schwäbischen Alb heraufzubeschwören. Nichtsdestotrotz wundere ich mich manchmal warum ich manche Ziele in der Gegend meines Wohnorts nicht schon früher entdeckt habe. Dank der Pandemie verändere auch ich meine Gewohnheiten und so habe ich diese nette kleine Runde in der Umgebung von Ulm entdeckt. Sie ist auch im eisigen Winter schön zu laufen. Nicht nur deshalb weil es eine Gastschänke mit Biergarten im Kloster gibt und ich mich diebisch darauf freue im Sommer wiederzukommen. Ganz fest eingeplant ist dann aber die Einkehr am Ende im besagten lauschigen Plätzchen. Und wenn ich ganz nostalgisch werde, frage ich, ob sie nicht ein pain au chocolat aus Paris haben.

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