Free walking auf schwyzerdütsch – Basel II

Um einen neuen Ort bequem kennen zu lernen, ist ein Café ja ein ganz wunderbarer Ort. Am besten wird es dabei ergänzt durch das ein oder andere Gespräch mit Menschen, die man dort kennen lernt oder die man vielleicht besucht. Wenn dafür auf Reisen allerdings nicht genug Zeit sein sollte, finde ich, dass eine Stadtführung eine ganz gute Möglichkeit ist flott ein Gefühl für den Ort und seine Bewohner zu bekommen. Und in den letzten Jahren habe ich dafür besonders die Free Walking Tours lieben gelernt.

Nicht etwa weil sie erst einmal nicht so viel kosten, wie vielleicht die offiziell angebotenen ​(bzw. eben genau so viel wie sie einem wert ist, was ja auch mehr sein kann), sondern weil sie in der Regel öfter stattfinden als die von der örtlichen Touristikinformation (der durchschnittliche Tourist hat ja meist nicht 1-3 Wochen Zeit um auf die nächste Führung zu warten), weil es mehr um Eigenheiten und Anekdoten geht als um trockene Fakten und auch die „Mitgeführten“ oft super nett sind. In manchen Städten gibt es daher auch Vorstellungsrunden zu Beginn der Führung (Job, Lieblingsfarbe, Heimatland etc.), in manchen anderen nicht. In Basel gab es bei der Free-Walking-Tour keine (falls es trotzdem jemanden interessiert: Biologe, pink, Deutschland. Und jetzt Du! Gerne in den Kommentaren!). Trotzdem und trotz der Tagestemperaturen von -8 °C wurde immer mal wieder untereinander gequatscht – durch dicke Schals hindurch, na klar! Und ich hatte sogar das Glück, dass ich dabei David kennen gelernt habe, der sein Barcelona für die Schweiz verlassen hat und nun seit vier Jahren in Basel wohnt. Er hat mir nach der Tour noch eine private zweite gegeben. Zu den Plätzen, die seiner Meinung nach bei der ersten Tour gefehlt haben. Sehr freundlich, die Baseler Neubürger. Und ganz gemütlich. Schweizerisch eben. Hier ein paar Eindrücke von der Tour und weiter unten ein paar Kostproben davon sowie die passende Musik dazu…

Ich habe die Downtown Tour genommen. Es gibt aber auch noch weitere Führungen, die alle auf der Seite zu finden sind.
Hier ist die Route, die bei der Tour in etwa abgelaufen wird. Falls der ein oder andere überlegt, wo es hingeht um den Rest vielleicht vorab auf eigene Faust zu erobern.​​ Der Treffpunkt ist hier:

So viele Geschichten wurden bei der Stadtführung erzählt – es lohnt sich wirklich. Um einen kleinen Eindruck davon zu bekommen, hier die Geschichten vom Alt-Basler Brückenkopf der mittleren Brücke:
Während die Straßenbahn über den Rhein schwebt, die Möwen rufen und wir auf bonbon-bunte Häuser am Klein-Basler Ufer blicken erzählt die Free-walking-Tourguide davon, dass die Idylle täuschen kann: Der Schweizer ist zwar neutrrrral aber „vorbereitet“: Erst 2009 wurde der Sprengstoff (!) aus der Mitte der Brücke entfernt, der dort für Notfälle und zur Abschottung Richtung Deutschland deponiert war.
Und auch die kleine Kapelle, die in der Mitte der Brücke über den Fluss wacht, hat eine grausige Vergangenheit: Vom sogenannten Käppelijoch wurden Straftäter gefesselt in den Rhein geworfen. Es waren Kindsmörderinnen, Ehebrecherinnen und Diebinnen. Falls sie auf der Höhe des etwa 800 m entfernten Thomasturms, also an der damaligen Stadtgrenze, noch lebend aus dem Rhein geborgen wurden, wurde ihnen die Todesstrafe erlassen.
Direkt neben uns ist ein Königskopf an der Häuserfront zu sehen, der sogenannte „Lalle König“. Früher war er mit einer Mechanik ausgestattet, die ihn regelmäßig die Augen und die Zunge herausstrecken hat lassen. Für Neuankömmlinge und natürlich in Richtung des weniger beliebten Klein-Basel auf der anderen Flussseite.
So habe ich sie nun kennengelernt, die Stadt Basel: zuckerbäckerbunt und mit einem herben Charme.

 

Weitere gute Erfahrungen abgesehen von der Walking Tour:

Aufstieg auf den Turm des Baseler Münsters – ist wirklich ein Erlebnis, weil es so schön urig ist. Allerdings nur für Menschen ohne Platz- und Höhenangst.

das Café Unternehmen Mitte liegt in einem alten Bankfoyer. Es ist nicht nur Café sondern auch eine Art Co-working Space und Eventlocation

die Markthalle, für die, die sich wie ich auch nie für ein Gericht entscheiden können, und am liebsten alles probieren wollen. Ein Foodcourt und Bars mit Rutsche in das Untergeschoss! Unbedingt rutschen!

Hotel Balade in Klein-Basel sehr empfehlenswert, auch wenn es direkt neben dem Straßenstrich liegt 😀 dafür im angesagten Viertel – und mittendrin statt nur dabei, wenn man für die Fastnacht kommt

Das Baden-Württemberg-Ticket ist unschlagbar günstig um nach Basel zu kommen: weil es auf Schweizer Staatsgebiet einen Bahnhof der DB gibt, kommt man z.B. aus Ulm auf dem schnellsten Weg und auch noch echt günstig dorthin.

Und noch ein Punkt zu den Verkehrsmitteln: Bei Übernachtung in einem Baseler Hotel bekommt man für die Dauer des Aufenthalts ein Mobility Ticket und kann die Öffis umsonst  benutzen.

und noch ein Hinweis auf die Ladenschlusszeiten: Am Samstag hat um 18h alles zu gemacht. Also lieber vorher genug Souvenirs einkaufen 😉

Meine Bucket-List für den nächsten Besuch in Basel:

im Sommer wie die Einheimischen mit einem Boot den Rhein herunter schippern und anschließend mit dem Einweggrill am Rheinufer grillen.

die Basler Papiermühle besichtigen

in das nahe gelegene Vitra Design-Museum gehen

Und weil alles besser ist mit der Musik dazu:

​hier ein bisschen gesammelte Basler/schwyzerdütsche Musik (schade eigentlich, dass man die nie bei uns im Radio hört, oder höre ich den falschen Sender?):

P.S.: Thank you, David! For the walk this lovely afternoon in Basel! It was a pleasure!