Wochenendausflug nach Dresden – Teil 1

Teil 1 mit einigen Gedanken, Teil 2 mit meinen kleinen Tipps zur Stadt.

Frauenkirche Neumarkt Wochenende_Ausflug_Trip_Dresden

Im Jahr 1998 muss ich wohl zum ersten Mal in Dresden gewesen sein. Die Stadt war das Ziel einer Klassenfahrt und übernachtet haben wir im Schullandheim in Radebeul, gleich dort, wo der Zug am Schild „Radebeul Weintraube“ hält. Ähnlich idyllisch wie der Name des Bahnhofs klingt, habe ich die Klassenfahrt in Erinnerung. Wir saßen abends um ein Lagerfeuer und sangen Pfadfinderlieder. Obwohl sich Lehrer vermutlich bei der Programmgestaltung einer Klassenfahrt grundsätzlich viel Mühe geben, habe ich die Schulausflüge hauptsächlich wegen den Erlebnissen mit den Schulfreundinnen (ja, nur Freundinnen – keinesfalls um zu diskriminieren, sondern wegen der Mädchenschule, die ich besucht habe #nixmetoo) in Erinnerung. Ein paar wenige Erinnerungen gibt es allerdings auch an besuchte Sehenswürdigkeiten. Neben der Bastei in der Sächsischen Schweiz (lange bevor ich meine Liebe zum Wandern entdeckt habe. Daher an dieser Stelle eine Botschaft an unseren damaligen Lehrer: Herr Daut, mir tut das Gejammer über die wirklich schöne Tour im Nachhinein sehr leid. Sie haben das sehr schön organisiert, danke dafür! #herrdautwirkönnennichtmehr) erinnere ich mich an die Frauenkirche, bzw. das was davon zu der Zeit an der Stelle zu sehen war: ein geordneter Steinhaufen und eine Baustelle. Man erzählte uns dort, dass die Ruine des Feuersturms 1945 viele Jahrzente bis zur Wiedervereinigung als solche bestehen geblieben ist. Danach beschloss man aber die Kirche wieder aufzubauen und rekonstruierte daher, wohin die Steine aus dem Steinhaufen ursprünglich ihren Platz hatten wo sie im rekonstruierten Bauwerk auch wieder eingebaut werden sollten. „Man wird die historischen Steine an ihrer dunklen Farbe wiedererkennen können, da Sandstein mit der Zeit oxidiert und der neue Sandstein noch hell sein wird“, so blieb es mir eindrücklich in Erinnerung. Über die Jahre wird dann der neue Sandstein nachdunkeln und in etwa 100 Jahren wird man sie nicht mehr unterscheiden können.

Die Zeit heilt alle Wunden.

Heute sieht man sie jedoch noch, die dunklen „Sommersprossen“ der wiederaufgebauten Frauenkirche, die wieder die Dresdner Altstadt überragt. Ganz wie die Runzeln eines Menschengesichts erzählen sie eine Geschichte, wie so häufig voller Tränen, aber auch von Hoffnung. Hoffnung darauf, dass wir Menschen aus dem Geschehenen lernen und aus Fehlern klüger werden. Und das schätzen und pflegen, was wir verloren und nun wiedergewonnen haben. Wir leben in einer Zeit, in der wir Städtetrips machen, Wochenendausflüge, weil wir in Frieden leben und sowohl genug Zeit als auch Geld dafür haben uns die Welt anzusehen. Was für ein unglaublicher Luxus. Manchmal vergisst man das.

Dresden by night, Wochenendausflug, Trip, Dresden | unephotodecelineUnd dann läuft man mitten in der Nacht auf dem Heimweg an der Frauenkirche vorbei, als Tourist. Gleich neben der ehrbaren Statue von Martin Luther tanzen junge Menschen unter freiem Himmel mit Kopfhörern auf den Ohren fröhlich zu einer lautlosen Musik. Einer von ihnen spricht uns an „Habt Ihr Lust mitzumachen? Es ist die Party unserer Peace Academy„, sagt er. Erst einmal vorsichtig fragen, was es kostet. „Nichts“ lächelt er und reicht uns zwei Kopfhörer. Es gibt drei Sender, die die Kopfhörer in drei unterschiedlichen Farben leuchten lassen. Auf einem Sender läuft immer ein Lied, das man mag und so tanzen alle ausgelassen nebeneinander her, jeder mit seiner Lieblingsmusik ohne dass einer der Tänzer auf der Tanzfläche dem Neumarkt, Martin Luther auf seiner Säule oder einer der Anwohner sich davon gestört fühlen könnten. Was für ein wunderschönes Bild des friedlichen Miteinanders unter blinkenden Sternen. Ich meine auch ein mildes Nicken der sommersprossigen Kirche gesehen haben. Aber es kann auch ein tanzender Arm im Augenwinkel gewesen sein.

PS: kleene Pöööse.

PPS: Weidr.